|grips - drei pädagogische Säulen

1. Lehrerinnen und Lehrer

Sie besetzen die Stelle des "ersten Pädagogen". Ihr Ziel ist die Vermittlung der curricular definierten Grundbildung im Unterricht. Diese Grundbildung macht etwa 80 % des schulischen Lernens aus und findet als Vormittagsunterricht statt.

Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen haben dazu geführt, dass das fachliche Lernen durch sog. Schlüsselqualifikationen ergänzt werden muss. Hierzu gehört beispielsweise das soziale Lernen und das Training des selbstorganisierten Lernens der Schülerinnen und Schüler. Die Selbständigkeit der Lernenden wird neues Leitbild.
Da das selbstorganisierte Lernen nach den Erkenntnissen der Motivationspsychologie deutlich angemessener und erfolgreicher ist als der eher rezeptive Vollzug vorgegebener Parameter ändert sich auch die Lehrerrolle insgesamt. In Zukunft tritt der Lehrer von seiner Rolle als Wissensvermittler stärker in die des Lernhelfers und Anregers von Lernprozessen.

Die Lehrkräfte machen sich im Rahmen wachsender Professionalisierung mit den neuen Lernkonzepten vertraut, sei es in Trainings und Fortbildungen außerhalb der Schule, sei es in Teamarbeit schulintern.

Damit ändert sich auch die Struktur des Unterrichts. Nicht mehr das von Baumert gezeichnete Trichtermodell markiert die Grundstruktur; vielmehr gibt der Unterricht Strukturen vor, die Spielräume für individuelle Lernprozesse, für soziales Miteinander und lustvolles Kompetenzerleben bieten. Die Schülerlinnen werden mit allgemeinen und fachspezifischen Lernstrategien und Arbeitstechniken vertraut gemacht, damit sie die angebotenen Spielräume im Sinne effektiver Gärungs- und Klärungsprozesse nutzen können. Auf diese Weise fördert der Unterricht nicht nur die Eigeninitiative, die Autonomie jedes einzelnen Schülers und sichert dessen Lernergebnisse, sondern weckt und entwickelt außerdem die Ressourcen der Schülerinnen und Schüler.

Eigenverantwortliches Arbeiten der Schüler wird im Unterricht verwirklicht; innovative Verfahren, die dem Konzept des handlungsorientierten Unterrichts nach Klippert verpflichtet sind, haben bereits Eingang in die Schulkultur gefunden.
2. Schülerinnen und Schüler

Wo können sich Schülerinnen und Schüler in der Schule kompetent und selbstwirksam erfahren?

z.B. während der Gruppenarbeit im Unterricht. Dort gilt u.a. das Helferprinzip. Unterschiedliche Stärken werden von den Schülerinnen und Schülern in die Gruppe eingebracht. Der eine gibt eher Anregungen im fachlichen, der andere stärker im sozialen oder emotionalen Bereich. Gegenseitige Wertschätzung ist Grundlage eines solchen Austauschs.
Das Helferprinzip bzw. das Austauschprinzip lässt sich allerdings nicht nur im Unterricht selbst nutzen. Das Pulheimer Schulkonzept sieht unterschiedliche Bereiche vor, in denen Schülerinnen und Schüler ihr Know-how an Mitschülerinnen – beim FUKS-Projekt auch an Seniorinnen und Senioren – weitergeben, zum Beispiel:

Beispielhaft sei das Projekt Schüler-Coaching etwas näher umrissen, zumal es in der vorliegenden Form neu ist:

Interessierte Schülerinnen und Schüler der Stufen 8 bis 12 erwerben durch eine entsprechende Ausbildung eine Trainerlizenz (Schülertrainer = Coach), die sie berechtigt, eine Lerngruppe jüngerer Mitschülerinnen zu leiten. Das wöchentliche Training beinhaltet gleichermaßen allgemeine Lernstrategien wie fachliche Unterstützung. Ziel ist es, die Eigenaktivität der am Training Teilnehmenden so zu stimulieren, dass Lernblockaden gelöst und der natürliche Fluss des selbstorganisierten Lernens wieder in Gang gesetzt wird.
Die Schülertrainer selbst bekommen ihrerseits durch entsprechende Fachkräfte ein begleitendes Coaching, bei dem ihre eigene Ausbildung komplettiert und auftretende Probleme besprochen werden.

Bei allen oben genannten Projekten erleben sich die Schülerinnen und Schüler als autonom, kompetent und sozial anerkannt. Die Altersmischung in den Gruppen begünstigt individuelles Lernen, individuelle Kompetenzen werden als Ressource für die Gruppe nutzbar, das soziale Miteinander wird gestärkt. Die Schülertrainer helfen nicht nur anderen, sondern entwickeln selbst ihre Möglichkeiten in anspruchsvollen Leitungsrollen weiter. Zusätzlich erhalten sie nach Abschluss der Projekte ein Zertifikat der Schule.
3. Externe

Beim Seniorenprojekt FUKS (s.o.) sind Externe in der Schülerrolle. Auf anderen Feldern bieten Externe unterschiedlichster Provenienz als Lehrende den Schülerinnen und Schülern wertvolle Hilfen und Zusatzangebote an.

Senioren treten beispielsweise im Geschichtsunterricht als Zeitzeugen auf. Eltern engagieren sich am Geschwister-Scholl-Gymnasium bereits intensiv bei der Schulentwicklung oder stehen täglich 6 Stunden lang in einem eigenen Trainingsraum den Schülern zur Verfügung, um ihnen dabei zu helfen ihr Störverhalten zu überwinden.

Angebote aus der Berufswelt können von der Schule systematisch genutzt werden. Die Schüler orientieren sich dabei an Lernverfahren der Erwachsenenwelt, machen neuartige Erfahrungen, kommen mit interessanten und inspirierten Menschen zusammen und entwickeln selbst ihre individuellen Begabungen. Durch die Planung, Durchführung und Evaluation eigener Projekte werden Selbstvertrauen, Eigenständigkeit, Kreativität und Kommunikationsfähigkeit der Schüler gestärkt. Enrichment-Angebote können nicht nur aus der Berufswelt kommen, sondern auch von Senioren, Lehrkräften, Schülern oder Eltern.

Über das bisher Erreichte hinaus sieht das Pulheimer Konzept vor, externe Ressourcen stärker als bisher zu nutzen, um die individuellen Begabungen und Interessen der Schüler zu fördern.
» Seite druckenSeite zuletzt geändert am 06.03.10 22:13 Uhr