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11.03.2012:

Großes Interesse beim Fachsymposium "Lernräume neu denken"


(Bild: M. Wanken)

Über 100 Personen waren der Einladung von Marion-Realschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium zum Fachsymposium "Lernräume neu denken - das Haus des Lernens neu gestalten" gefolgt. Nach zahlreichen Vorgesprächen, Schulbesuchen und zwei Workshops mit den Architekten Helmut Heuer und Hans Jürgen Faust gingen die beiden Schulen mit ihrem Anliegen von Sanierung und Umbau erstmals an die Öffentlichkeit. Anwesend waren zahlreiche Vertreter aus Rat und Verwaltung, von Schulen aus Pulheim und der Region sowie viele Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler.

Bürgermeister Frank Keppeler betonte in seinem Grußwort den hohen Stellenwert, den der Ausbau der Bildungslandschaft in der Pulheimer Politik hat. Hierzu seien, so Keppeler, in den letzten beiden Jahren viele wichtige Entscheidungen getroffen worden: die Einrichtung einer Expertenkommission unter der Leitung des Bildungsforschers Prof. Holger Burckhart, die Ausschreibung eines Bildungsmanagers im Pulheimer Bildungsbüro sowie erst vor wenigen Tagen der mit großer Mehrheit angenommene Vorschlag von Burckhart zur Weiterentwicklung der Pulheimer Schullandschaft.

Als ausgewiesener Experte für Lernen, Schule und Lernräume hielt Dr. Karl-Heinz Imhäuser von der Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft den Hauptvortrag des Symposiums. Auf anschauliche und unterhaltsame Weise verdeutlichte Imhäuser den tief greifenden Perspektivenwechsel in der Pädagogik, der mit dem Umbruch von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts einhergeht. Während für die industriellen Prozesse im 19. und 20. Jahrhundert Menschen nach dem Muster des Nürnberger Trichters mit weitgehend vereinheitlichtem Wissen versorgt werden mussten, gehe es heutzutage darum, junge Menschen auf die vielfältigen Lebens- und Berufszusammenhänge in einer Welt vorzubereiten, in der permanent neue Wissensbestände hinzukommen. Demzufolge müsse zukünftig mehr und mehr in heterogenenn Gruppen gelernt werden - nicht mehr nur in Klassen mit Kindern und Jugendlichen gleichen Alters und ungefähr gleicher Intelligenz. Sehr humorvoll verdeutlichte Imhäuser die Schwierigkeiten beim Umgang mit Veränderungen anhand von zwei kurzen Filmen (Links auf Youtube): Das Buch und Opas IPad. Die Konsequenz aus der Notwendigkeit, künftig mehr und mehr in heterogenen Gruppen und in sich immer wieder verändernden Kontexten zu lernen, sei, so Imhäuser, ein Umdenken auch beim Bau und der Gestaltung von Lernräumen. Nicht mehr die mehrfach hintereinander gereihten 60qm große Lernboxen müssten die Schule der Zukunft prägen, sondern flexible, transparente und in Clustern angeordnete Räume, die sich zu vielfältigen Lernlandschaften gruppieren. Die in vielen Schulbaurichtlinien bislang üblichen 2qm pro Schüler reichten für modernes Lernen in heterogenen Gruppen nicht aus, so Imhäuser, zumal mit der Ganztagsschule und der Inklusion zusätzliche Raumbedürfnisse entstünden. Dennoch würden beim Umbau von Schulen insgesamt keine zusätzlichen Flächen benötigt, da künftig auch die bislang so genannten "Verkehrsflächen" wie Flure und Pausenhallen als Lernlandschaften gestaltet werden könnten.

Konkrete Beispiele für so gebaute oder umbebaute Schulen zeigten anschließend Helmut Heuer und Hans Jürgen Faust vom Aachener Architekturbüro Heuer und Faust. Sie verdeutlichten, wie mit guten Ideen und mit Beteiligung der jeweiligen Schule individuelle und intelligente Lösungen für den Umbau von in die Jahre gekommenen Schulbauten gefunden werden können. Zahlreiche Beispiele hierfür gibt es in der Region, so in Bornheim, Stolberg, Düsseldorf, Köln und anderen Städten. Ein konkretes Beispiel für den gelungenen Umbau eines Schulzentrums der 70er Jahre stellten Heuer und Faust gemeinsam mit dem Leiter der Gesamtschule Hückelhoven, Georg Schiefelbein vor. "Nichts passierte hier gegen den Willen der Schule", so beschrieb Schiefelbein den Prozess der Planung und Umsetzung des Umbaus, und schränkte gleichzeitig ein, dass aus finanziellen Gründen natürlich auch nicht alle Wünsche der Schule umgesetzt werden konnten. Entscheidend für das Gelingen des Projekts, so Schiefelbein, sei die enge und vertrauensvolle Kooperation zwischen Stadtverwaltung, Architekten und Schule gewesen.

In der Mittagspause hatten die Gäste die Gelegenheit, die Ergebnisse der Workshops an beiden Schulen im "Campus Mitte" kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. In der abschließenden Podiumsdiskussion, die von der wdr5-Moderatorin Andrea Oster moderiert wurde, kamen dann auch die zahlreich anwesenden Vertreter der Ratsfraktionen zu Wort. Übereinstimmend sprachen sie sich für den Umbau des Schulzentrums und für die Anpassung der Lernräume an die Erfordernisse des Lernens im 21. Jahrhundert aus. Mehrfach wurde dabei hervorgehoben, dass man hierüber schon in intensivem Austausch mit beiden Schulen sei. Der nächste Schritt, so die Ratspolitiker von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90 / Die Grünen, müsse nun die Erstellung einer Machbarkeitsstudie sein. Geprüft werden müsse die vorhandene Bausubstanz, so dass auf dieser Basis dann Entwurfsplanungen, Kostenschätzungen und Planungen für die Umsetzung im laufenden Schulbetrieb erstellt werden könnten. Aufgabe der Schulen sei es nun, zukunftsfähige pädagogische und organisatorische Konzepte zu entwickeln. Projektunterricht, jahrgangsübergreifendes Lernen und das zumindest partielle Auflösen der traditionellen Klassenverbände sind nur einige der Veränderungen, die dabei in den Blick genommen werden müssen.

In Kürze werden wir die Folien zu den Vorträgen von Karl-Heinz Imhäuser sowie Heuer und Faust hier einstellen.

Den Pressebericht von Maria Machnik im Kölner Stadtanzeiger können Sie hier ansehen.

gsg

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