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13.06.2016:

Wenn zwei Welten aufeinander prallen und alles besser wird …



Da stand er nun in unserem Theaterkeller und wollte mit seiner Lesung beginnen.

Manfred Theisen hatte seinen aktuellen Roman mitgebracht, erst seit ein paar Tagen in den Buchläden: „Checkpoint Europa - Flucht in ein neues Leben“. Basil ist aus Syrien nach Deutschland geflohen. Über das Schicksal eines Jugendlichen, der mehr erlebt hat, als viele andere in einem Leben.

Der Saal ist fast voll, drei Klassen, über den den Beamer läuft zur Einstimmung läuft ein witziger You Tube - Clip von Moe Shama (https://www.youtube.com/watch?v=NYliU9yDLSM).

Die Tür öffnet sich und die Schülerinnen und Schüler der Internationale Willkommensklasse betreten schüchtern den Theaterkeller. Nur vorne sind noch Plätze frei, aber das ist dem überraschten Autoren nur recht. Für seine neuen Gäste, Kinder aus geflüchteten Familien aus verschiedenen Nationen und seit einem halben Jahr SchülerInnen im GSG, wirft er sein Konzept um, improvisiert und läuft zur Höchstform auf. Direkt spielt er einen anderen Clip vom Laptop auf die Leinwand.
„Kennt Ihr den Mann?!“ ruft er ihnen zu. Die Pulheimer Schüler sind natürlich überfragt, aber die syrischen Kinder erkennen ihren ehemaligen National-Torwart Abdul Baset Al-Sarout. Der war der erste bekannte Fußballspieler, der sich dem syrischen Widerstand gegen Präsident Assad anschloss. Seine vier Brüder und sein Onkel wurden vom syrischen Geheimdienst getötet. Al-Sarout selbst wurde mehrere Male in Homs verwundet und überlebte mindestens drei Mordanschläge.

Nun war jedem klar, diese Schulveranstaltung war ganz eng an die harte Realität der Schüler aus der Internationalen Willkommensklasse gebunden. Natürlich drehte es sich um das Schicksal der Romanfigur, aber jeder Handlungsstrang wurde direkt mit den Erfahrungen der Flüchtlingskinder abgeglichen. Welche Route hatten sie genommen? Wie lange hatte ihre Flucht gedauert? Sehnen sie sich nach „zu Hause“?

Spannender konnte eine Lesung nicht sein! Manfred Theisen zog alle in seinen Bann. Journalist, Ur-Kölner und damit Freund einer klaren Sprache, erklärte er Zusammenhänge und stellte auch unbequeme Fragen: „Wird unsere Nationalmannschaft in Katar, einer lupenreinen Diktatur, an der WM teilnehmen oder sagt ein Manuel Neuer NEIN?“

Richtig nachdenklich wurde es am Ende: Wollt Ihr denn zurück, wenn mal wieder Frieden in Eurem Heimatland herrscht? Nein, antworteten die Angesprochenen in ihrem frisch gelernten Deutsch, dort ist doch alles kaputt. Hier ist es viel schöner, hier ist ihre neue Heimat, hier wollen sie bleiben.

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» Seite druckenSeite zuletzt geändert am 20.10.17 17:33 Uhr