Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler
Wo Menschen zusammenleben, gibt’s auch Konflikte. Das ist in der Schule nicht anders als in anderen Lebensbereichen. Nicht immer gelingt es, solche Konflikte konstruktiv und friedlich zu lösen. Manches Mal kommt es zur Gewaltanwendung, oder es entwickeln sich dauerhafte „Schwelbrände“, die die Atmosphäre in einer Klasse vergiften können.
Jüngere Schüler suchen manchmal in solchen Situationen Unterstützung bei Lehrern, die dann „ein Urteil fällen“ und - möglichst - den Schuldigen bestrafen sollen. Eine solche Streitschlichtung (wenn sie denn als solche bezeichnet werden kann) zwischen einer Unterrichtsstunde und der nächsten ist oft für alle Beteiligten unbefriedigend. Häufig bleibt der Eindruck zurück, dass mehr Zeit nötig gewesen wäre, um in Ruhe zuzuhören und zu erfahren, wie es zu diesem Streit gekommen ist. Selten hat ein Konfliktpartner alle Anteile am Konflikt zu tragen. - Unzulängliche Streitschlichtung aber hinterlässt zumindest beim „Verlierer“ Frustration, nicht selten Groll und Rachebedürfnisse, die bei nächster Gelegenheit wieder ein Ventil suchen.
Diese Erfahrungen führten in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern dazu, die Techniken der Mediation auch für die Schule nutzbar zu machen und ältere Schüler zu Streitschlichtern für ihre jüngeren Mitschüler auszubilden. Dabei begleitet der Mediator (Vermittler) die Kontrahenten beim Finden ihrer Lösung. Er schlichtet also nicht selbst. Das erledigen die „Streithähne“ in eigener Verantwortung. Mediation ist keine Gerichtssitzung. Ziel ist nicht, Schuld oder Unschuld herauszufinden. Es geht vielmehr darum, die Differenzen konstruktiv zu bearbeiten und einen Weg zu finden, wie die Konfliktparteien in Zukunft miteinander umgehen.
Angeregt durch entsprechende Fortbildungsveranstaltungen haben wir im Schuljahr 1996/97 ein solches Programm auch bei uns eingeführt. Im Rahmen einer AG werden zunächst in einem etwa 15-wöchigen Nachmittagskurs (2. Halbjahr jedes Schuljahrs) Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9-11 zu Mediatoren ausgebildet. Nach Abschluss der Ausbildung haben diese Schüler dann etwa in einer großen Pause pro Woche „Dienst“ im Schlichtungsraum. Das Angebot, bei irgendwelchen Auseinandersetzungen ein Mediationsgespräch in Anspruch zu nehmen, richtet sich (nach entsprechender Vorbereitung auch der jüngeren Schüler) primär an die Jahrgangsstufen 5-7.
Derzeit sind etwa 30 ausgebildete Mediatoren und Mediatorinnen im Einsatz. Die Ausbildung der Schüler und die Begleitung des Projektes erfolgt durch die Lehrpersonen Birgitt Kerz, Renate Breidenbruch, Sandra Ulllner, Billy Collins und Jens Tanzmann und wird unterstützt durch Dorle Mesch (Leiterin von „grips“, dem Pulheimer Ressourcen Modell).
» Die Streitschlichter/innen 2009/10
Birgitt Kerz
Weitere Informationen zu den Streitschlichtern unter: http://www.gsg-mediation.de.vu/
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