|\'Vergessenes\' in Erinnerungskisten gepackt

Von DIETER WOLF, 26.06.09, 07:03h

folgt "Vergessenes" - Schülerkunst zum 40sten Dienstag, 23. Juni 2009 Es bleibt viel liegen in einer Schule. Und nach 40 Jahren sammelt sich so einiges an. Da ist ein Pullover...

PULHEIM.Es bleibt viel liegen in einer Schule. Und nach 40 Jahren sammelt sich so einiges an. Da ist ein Pullover unvollendet in einem Werkraum zurückgelassen worden, da wurden Zeichnungen aus dem Kunstunterricht nicht mitgenommen, da häufen sich Zigarettenkippen an geheimen Orten. „Vergessenes" heißt eine Ausstellung im gesamten Schulgebäude im Geschwister-Scholl-Gymnasium anlässlich seines 40-jährigen Bestehens.
Aber das „Vergessene" ist nicht unbedingt wörtlich zu nehmen. Das zeigt sich in den Ausstellungsprojekten der Schüler der Klassen fünf bis 12, die sich mehr dem Erinnern widmet, als dem tatsächlich Zurückgelassenen. Schüler der Klasse 12 haben sich zum Beispiel im Kunstunterricht der Pop Art gewidmet. Und das hat offenbar Spaß gemacht.

Im Stile eines Andy Warhol sind zuhauf Bilder entstanden. Und weil ein Bild in einem adäquaten Ambiente weit besser daher kommt, entschieden sich die Schülerinnen und Schüler als Ausstellungsraum für den Secondhand-Laden im Gebäudekeller. So finden sich zwischen Prachtstücken des Gelsenkirchener Barocks, Furnierhighlights aus dem Rösrather Möbelzentrum und Lampen von Ikea Dutzende prächtige Pop-Art-Adaptionen. „Der Ort passt genau zu unserem Thema", meint Romina Middendorf aus der 12. „Pop Art ist genauso Kult wie vieles, was man hier an Trödel antrifft." Und so posieren sie übermütig zwischen einer wilden Lampenkollektion vor ihren Arbeiten.

Im großen Ausstellungsraum wimmelt es schließlich von aktuellen Arbeiten, die sich dem Thema „Vergessen" widmen. Großartig die Arbeiten im Kunstkeller mit dem Thema „Spuren legen in die Zukunft". Dutzende kleine Erinnerungskistchen laden den Betrachter zum Entdecken und Mitmachen ein. Dieses Kunstprojekt, das noch andauert, versammelt in transparenten Plastikdöschen Briefe, Blumen, Nippes und allerlei mysteriöse Botschaften an eine Nachwelt, der dann die Aufgabe zukommt, dies zu entschlüsseln.

Eine der witzigsten Erinnerungsarbeiten ist wohl die Einzelarbeit „Elvis lebt" von Andreas Krause (17). Der Medienfreund produzierte eine mit Elvismusik („You re looking for Trouble, you come to the right place") unterlegte Endlosschleife, auf der Schüler wie Lehrer allerlei Faxen zur Musik machen. Doch wer soll sich hier erinnern? Die Großeltern? Die Eltern der jetzigen Schüler waren wohl seinerzeit, als ein ermatteter Elvis in den ewigen Pophimmel entfleuchte, selbst noch im Teeny-Alter.

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