|Preis für couragierte Schüler

von Malte Laub, 01.10.09, 17:57h

Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim wurde zum ersten Mal der „Von-hier-aus-Preis“ für besonderes soziales Engagement der Schüler vergeben. Insgesamt wurden 500 Euro Preisgeld ausgelobt und an drei Preisträger verteilt.

PULHEIM „Alle setzen auf Kampf. Die Streitschlichter nicht. Von hier aus geht eben ein Zeichen aus.“ Mit diesen Worten überreichte Heinz Beumer den Streitschlichtern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Pulheim am Mittwochabend den „Von-hier-aus-Preis“ für zivilgesellschaftliches Engagement.
Beumer verlieh den erstmals vergebenen schulinternen Preis als Vertreter der Weiße-Rose-Stiftung, getragen wird die Auszeichnung aber vom Geschwister-Scholl-Gymnasium und vom Pulheimer Wirtschaftsgremium, das auch das Preisgeld in Höhe von insgesamt 500 Euro zur Verfügung stellt. Der „Von-hier-aus-Preis“ soll die Zivilcourage unter den Schülern fördern.

Die Streitschlichter helfen, im Schulalltag Konflikte unter Schülern beizulegen. Dafür erhielten sie neben einer Urkunde 350 Euro Preisgeld, das in einen Ausflug in einen Hochseilgarten angelegt werden soll, um die Gemeinschaft zu stärken. Außerdem wurden die Schülerinnen Nadine Nourney und Ivana Rastegorac prämiert. Nourney, Jahrgangsstufe 13, hatte das Theaterstück „Der Schuh im Kühlschrank“, das sich mit Alzheimer befasst, geschrieben und mit einem Senioren-Ensemble in Altenheimen in Pulheim und Stommeln aufgeführt. Ihr Preisgeld von 120 Euro soll für das Theaterprojekt ausgegeben werden. Die Siebtklässlerin Ivana Rastegorac war von ihren Mitschülern vorgeschlagen worden, weil sie sich - ohne ein Amt wie Klassensprecher innezuhaben - im Schulalltag vorbildlich sozial verhält.

Sie erhielt 30 Euro Preisgeld. Die Jury, bestehend aus Christoph Polich (ehemaliger Schüler), Karl-Peter Stock (Wirtschaftsgremium) und Sylke Blume, (ehemalige Schulpflegschaftsvorsitzende), hatte die Preisträger zuvor aus elf Vorschlägen der Schüler ausgewählt.

Getrübt wurde der Abend durch den Tod Dr. Anneliese Knoop-Grafs. Die stellvertretende Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung war am 27. August verstorben, sie hätte die Preise überreichen sollen. Das übernahm ihr guter Freund Heinz Beumer, Direktor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Münster. In Gedenken an sie, die Schwester Willi Grafs, der 1943 als Mitglied der Widerstandgruppe Weiße Rose von den Nazis hingerichtet wurde, wurde ein Film über ihr Leben und Wirken gezeigt. Sie hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dass ihr Bruder und die Weiße Rose auch 60 Jahre nach Kriegsende nicht in Vergessenheit geraten. Auf den Tag genau ein Jahr vor ihrem Tod hatte Knoop-Graf das Pulheimer Gymnasium besucht und von der Weißen Rose berichtet. Von der Idee des „Von-hier-aus-Preis“ war sie überzeugt und wollte ihn selbst überreichen. „Sie war sehr vorsichtig mit Auszeichnungen, aber wenn sie eine verlieh, war es eine große Ehre“, sagte Beumer. Und so gab er den Schülern mit auf den Weg, das der Preis auch verpflichte: „Es ist der Auftrag zu einem aufrechten Gang, der Spuren hinterlässt.“


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