|Wie man den Regenwald schützen kann

von Birgit Lehmann, 25.01.10, 17:05h, aktualisiert 26.01.10, 11:25h

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Artenschutz eingeladen. Der Einladung sind nicht nur viele Fachleute, sondern auch elf Schulklassen, die beim Zisch-Projekt mitmachen, gefolgt.

PULHEIM / KÖLN Frederick Braun hat sich den freien Nachbarstuhl als Unterlage genommen, um besser schreiben zu können. Und am Ende der über zweistündigen Diskussion im Kölner Gürzenich ist der Block des Schülers einer achten Klasse am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim gespickt mit Informationen zum Thema Artenschutz und Artenvielfalt. „Absolut interessant“ habe er die Diskussion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ gefunden, die im Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“, kurz „Zisch“, stattfand. Und seine Mitschüler pflichten ihm bei.
Es ist kurz vor 10 Uhr, als die 28 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 f des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gemeinsam mit zehn weiteren Klassen den Kölner Gürzenich erreichen und einige Reihen im seitlichen Teil des Foyers belegen - mit gutem Blick auf das Podium, auf dem die vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ geladenen Fachleute sitzen: Thomas Graner vom Bundesamt für Naturschutz, Theo Pagel und Dr. Thomas Ziegler vom Kölner Zoo sowie Stephan Anhalt vom Verband Botanische Gärten. Die Moderation übernimmt der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht („Wer bin ich und wenn ja - wie viele“ und „Liebe - ein unordentliches Gefühl“).

Im Unterricht haben sich die Schüler gemeinsam mit ihrem Lehrer Rudolf Brands auf das Thema vorbereitet. In einer Projektwoche hatten sie sich mit dem Thema Naturerfahrung und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und sich vergegenwärtigt, dass die Abholzung des Regenwaldes eine Bedrohung für viele Arten darstellt, dass es aber auch im unmittelbaren Lebensumfeld Pflanzen und Tiere gibt, die geschützt werden müssen.

Ziel sei, ein grünes Klassenzimmer in Pulheim anzulegen, erklärt Biologie- und Klassenlehrer Brands. Dort könnten Klassen und Arbeitsgemeinschaften innerhalb und außerhalb des Unterrichts arbeiten. Pascal Kumpf ist der Erste aus der 8 f, der den Mut hat, dem Podium im Gürzenich eine Frage zu stellen. „Kann man den Regenwald denn nicht wieder aufforsten?“, will er wissen. „Ja, das tun wir“, ist Zieglers Antwort. Der Experte begleitet ein Forschungsprojekt im Regenwald von Vietnam, in dem schon viele Tierarten entdeckt wurden, obwohl auch hier weite Flächen in den vergangenen 20 Jahren gerodet wurden. „Wie kann man denn erkennen, ob eine Art gefährdet ist, wenn man sie gerade erst entdeckt hat“, will Frederick kurz danach wissen. „Eine sehr gute Frage“, lobt Ziegler und erläutert, dass man erst die Lebensgrundlagen der Art erforschen müsse, um zu erkennen, ob sie bedroht sei.

Letztendlich beginne das Leben erst mit den Pflanzen, stellt Botaniker Anhalt heraus, der eine ganze Reihe von Stichworten aufgelistet hat, um den Zusammenhang zu verdeutlichen. Beispielsweise Atmen, das ohne den Sauerstoff, den Pflanzen produzieren, nicht möglich wäre.

Am Ende haben alle was dazugelernt. Christian Kley aus der 8 f sagt, er gehe zweimal im Jahr in den Kölner Zoo. Nun wisse er, dass der Kölner Zoo auch außerhalb seiner Grenzen etwas für den Erhalt der Arten tue. Kley kennt nun auch die Fachbegriffe dafür: „ex-situ“ - außerhalb des Ursprungsortes - also im Zoo, und „in situ“ gleichbedeutend mit Naturschutz vor Ort.

Auch seinem Klassenkameraden Tim Faust hat die Veranstaltung gefallen: „Es war sehr gut, weil es alles Experten waren.“ Samira Ivem ergänzt: „Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, dass wir dabei helfen, die Umwelt zu schützen.“ Sie will sich künftig bei Greenpeace engagieren.


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