|Schulsprecher wieder bedroht

Kölnische Rundschau 16.06.07

Pulheim - Eine Spur von Aufgeregtheit setzte erst gegen Ende der Diskussions-Veranstaltung ein. Drei junge Männer verließen den Saal, nachdem sie zuvor durch spöttisches Lachen und einen zaghaften Zwischenruf aufgefallen waren. Von Schülern und Lehrern am Schultor zur Rede gestellt, gaben sie sich als Kölner Vertreter der NPD aus.

Aufregung gab es im Geschwister-Scholl-Gymnasium auch in den Morgenstunden. Aktivisten der rechtsgerichteten ANP (Autonome Nationalisten Pulheim) hatten wieder zugeschlagen und ans Schultor gepinselt: „R. Nickel - wir kriegen dich - ANP.“ Roman Nickel ist Schulsprecher und initiiert seit längerem Initiativen gegen Rechts. Die ANP war für die Gymnasiasten auch eine der Gründe für die Aktionswoche „Hinschauen - Courage zeigen“.

Plakattafeln in der Stadt, eine Kunstausstellung, ein Konzert und schließlich eine Diskussionsveranstaltung zum Thema waren die Beiträge der Aktionswoche. Im Podium der Diskussionsrunde saßen neben Schulleiter Andreas Nießen, Lehrerin Renate Bonow, Schülervertreter Severin Petersen, Jugendgerichtshelfer Michael Hönighaus, Kurtlu Yurtseven, Mitglied der

HipHop-Band Microphone Mafia, der Sozialarbeiter Jörg Welzer und Guido Selzner, Referatsleiter beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Meist drehte es sich während der Diskussion um die Rolle der ANP-Gruppe, die es laut Verfassungsschützer Selzner gar nicht gibt.

Er wiederholte die Theorie, dass es sich bei der ANP um Einzelkämpfer handele, die nicht organisiert seien. Sie seien lediglich eine „Spiegelung der links-autonomen Szene“. Außerdem seien es nur „eine Handvoll Leute“. Diese Behauptung sorgte für Widerspruch in der Runde, besonders bei Sozialarbeiter Weser aus Lüdenscheid. Als ehemaliger Polizeispitzel in der rechten Szene widersprach er vehement dieser These.

Er legte dar, dass die rechte Szene, um Verboten zu entgehen, bewusst keine Vereinsstrukturen bildete. „Sie haben alle ihre festen Treffs, auch hier in Pulheim.“ Einem Bürger im Publikum war es deshalb völlig unverständlich, dass eine Gruppe „so massiv in Pulheim auftreten kann, ohne dass Bürgern und Behörden etwas auffällt“.

Welzer war es denn auch, der die Gesprächsrunde mit Detailkenntnis und Lösungsvorschlägen aus seinem Arbeitsalltag bediente. Vor allem widersprach er der allgemeinen Ratlosigkeit und meinte in Richtung Politik und Schule: „Demokratie wird zu wenig im Alltag gelebt.“ Ebenso vertrat er die These, rechtem Gedankengut bei Jugendlichen könne nur mit direkter Ansprache begegnet werden, mit Nähe zur Person und deutlicher Distanz zum Thema. „Das geht. Jugendliche sind doch keine Monster.“
Dieter Wolf
» Seite druckenSeite zuletzt geändert am 21.07.07 01:03 Uhr