|Karten offen auf den Tisch

<em>Wollen gemeinsam über den Zaun blicken: Jürgen Reuse, Schulleiter der Steinwaldschule, Dr. Wolfgang Harder und Ingrid Kaiser, von links, freuen sich auf einen regen Austausch. Foto: Rose</em>
Wollen gemeinsam über den Zaun blicken: Jürgen Reuse, Schulleiter der Steinwaldschule, Dr. Wolfgang Harder und Ingrid Kaiser, von links, freuen sich auf einen regen Austausch. Foto: Rose
HNA online 06.12.07

Neukirchen. Die Neukircher Steinwaldschule ist eine von vier hessischen Versuchsschulen. Regelmäßig lassen sich die Lehrer in die pädagogischen Karten gucken. In Zukunft möchten auch die Neukircher anderen Kollegen über die Schulter schauen. Es ist der Verbund Blick über den Zaun (siehe Hintergrund), dem sich die Schule angeschlossen hat. Genauer gesagt: einem Arbeitskreis. Jüngst trafen sich Vertreter von acht Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet für drei Tage zu ersten Gesprächen.
Die gastgebende Schule öffnete dafür nicht nur ihre Mediathek, Besuche im Unterricht sowie der Austausch mit Lehrern, Schülern und Eltern standen auf dem Programm. Geleitet wurde die Veranstaltung von Ingrid Kaiser und Dr. Wolfgang Harder.
Das Treffen soll keine Eintagsfliege bleiben: "Regelmäßig zwei Mal im Jahr kommen die Arbeitskreise wieder zusammen", erläutert Harder. Im Fokus steht dabei die gastgebende Schule.
Von Stärken und Schwächen
Stärken, aber auch Schwächen, sollen analysiert und diskutiert werden. Die Grundschule Harmonie in Eitorf etwa stösst mit ihrem Konzept schnell an Grenzen: "Wir müssen noch mächtig an der Elternfortbildung arbeiten", sagt Schulleiter Walter Hövel. Die Kinder planen ihren Tag komplett selbst.
Ohne Stundenplan beschließen sie am Morgen, an was sie arbeiten wollen. Der 45-Minuten-Rhythmus wurde abgeschafft, der Vormittag neu strukturiert. An vier Tagen in der Woche schließen sich die Lehrer quasi den Schülern an: "Wir sind immer da, wo Kinder sind. Entweder im Gebäude, oft aber auch draußen", erklärt Hövel.
Jeden Mittwoch gibt es eine Kinderuniversität mit Seminaren und Vorlesungen: Die Themen reichen von Literatur über Grundbegriffe der Mathematik bis zur Hirnforschung. Montags trifft sich das Kinderparlament, das die gleichen Rechte wie die Lehrerkonferenz hat. "Das macht vielen Eltern Angst", sagt der Schulleiter.
Die Jenaplanschule im Erzgebirge hat mit veränderten Bedingungen zu kämpfen: Aus einem staatlichen Schulversuch gewachsen, ist die Schule seit 1993 in freier Trägerschaft und platzt mittlerweile fast aus allen Nähten. 240 Schüler, verteilt auf zwei Gebäude. Eines liegt etwa fünf Minuten entfernt, das andere ist sanierungsbedürftig.
"Organisatorisch müssen wir in einigen Bereichen umdenken", erzählt Schulleiterin Grit Drechsler.
Bunte Mischung von Kindern
Die Klassen eins bis zehn sind in Gruppen unterteilt, für die die Lehrer eigenständige Teams bilden. Bis zur vierten Klasse gibt es keine Noten: "Nur verbale Einschätzungen", sagt Drechsler.
Heiß diskutiert wird unter den Kollegen das Thema Differenzierung: "Wir haben eine bunte Mischung von Kindern. Dabei stellt sich die Frage, wie wir allen gerecht werden." Weiteres Problem ist das Budget: 60 Euro Schulgeld zahlen Eltern pro Monat.
"Wie kommen sie damit aus", fragt Dr. Harder verwundert.
Die Schulleiterin zuckt die Schultern: "In unserer Gegend finden das alle ziemlich teuer." (zsr)

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