|Demokratische Kräfte bündelten sich

VON ANNE BURGMER, 09.05.08, 19:52h

Pulheim - Eng war es in dem großen Veranstaltungsraum des Geschwister-Scholl-Gymnasiums am Donnerstagabend, die Stuhlreihen waren voll besetzt. Rund 400 Besucher waren am 63. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu der Veranstaltung des „Netzwerks Buntes Pulheim“ gekommen, die über Rassismus, Rechtsextremismus und insbesondere die „Autonomen Nationalisten“ aufklären wollte.
Zunächst wurde die Wanderausstellung „Rechts um - und ab durch die Mitte!?“, die vom Jugendclub Courage zusammengestellt worden ist, eröffnet. Sie informiert über rechtsextremes Gedankengut, historische Wurzeln und unterschiedliche Gruppierungen innerhalb der rechten Szene. Hans-Peter Killguss von der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln hielt einen Vortrag über „Autonome Nationalisten“ - Neonazis im neuen Gewand“.
Mit Aufklebern und gesprühten rechtsradikalen Parolen hatte die Gruppierung erstmals im Herbst 2005 in Pulheim Aufmerksamkeit erregt. Fundiert schilderte Killguss, wie sich diese Gruppierung bewusst gewisser Symbole und Kleidung bedient, die bisher eher dem linken Spektrum zugeordnet wurden. In der Innenstadt war das zu sehen: Einer der extrem Rechten trug eine Irokesenfrisur, ein anderer lange Haare; fast allen waren, wie die linken Sympathisanten, in Schwarz gekleidet. In Pulheim, so Killguss, seien die „Autonomen Nationalisten“ besonders stark vertreten.

Unsicherheit im Vorfeld
Im Vorfeld hatte es große Unruhe gegeben. Schulleiter Andreas Niessen hatte die Veranstaltung zwischenzeitlich abgesagt, da er gewalttätige Konflikte mit eben jenen „autonomen Nationalisten“ befürchtet hatte, zumal diese ja für denselben Abend eine Gegenveranstaltung angemeldet hatten. Ein Gespräch am Montag zwischen Schulleitung, dem „Netzwerk Buntes Pulheim“ sowie Vertretern der Stadt und der Politik hatte Niessen bestärkt, den Termin nicht abzusagen.
Andreas Niessen machte in seiner Begrüßung keinen Hehl daraus, dass die vergangenen Tage für ihn und seine Kollegen nicht leicht waren: „Vor einer Woche saßen wir zusammen und haben uns überlegt, ob wir die Veranstaltung hier durchführen können. Umso erfreulicher sind die Entwicklungen, die daraus entstanden sind. Seit dieser Woche ist klar, dass es einen breiten bürgerlichen und politischen Schulterschluss gegen Rechtsextremismus in Pulheim gibt.“ Ähnlich beurteilte Josef Schuy vom „Netzwerk Buntes Pulheim“ die Situation: „Es ist unglaublich, wie viele Menschen hier sind. Es zeigt sich, dass wir alle demokratischen Kräfte in Pulheim bündeln können. So kann es uns gelingen, die Menschen wachzurütteln.“ Die Befürchtungen, dass es zu Konflikten mit Rechtsextremen kommen könnte, bestätigten sich nicht. Die Lage in und vor der Schule war während der gesamten Veranstaltung ruhig. Die Polizisten, die die Schule weiträumig umstellten, mussten nicht eingreifen, Rechtsextreme ließen sich in der Nähe der Schule nicht blicken. „Der heutige Abend bedeutete letztlich kein Risiko“, sagte Niessen erleichtert.

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