|Ein Hirn aus Melone und Senf

von Maria Machnik, 10.03.09, 18:36h, aktualisiert 16.03.09, 11:44h

Die Zwölftklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zeigen eine Ausstellung ihrer Werke mit dem Titel "Körperfragmente" noch bis zum 11. April in der Gedenkstätte Brauweiler zu sehen.

PULHEIM Ein Glanzlicht ihrer Schullaufbahn sind die kommenden Wochen für die Zwölftklässler am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Am Sonntag, 15. März, fällt in der Gedenkstätte Brauweiler der Startschuss für ihre erste Ausstellung mit dem Titel „Körperfragmente“. Die Spannung ist groß kurz vor der Vernissage. „Das ist aufregend“, sagt Julia Fontane. Für Romina Middendorf und die französische Austauschschülerin Diane Chappalley ist die vierwöchige Ausstellung in der Gedenkstätte eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen und zu zeigen, „was wir machen“.
Mit einem Rundgang durch das ehemalige Frauenhaus der Arbeitsanstalt Brauweiler und die Dauerausstellung der Historiker Josef Wißkirchen und Hermann Daners hatten sich die Zwölftklässler und ihr Kunstlehrer Friedrich Dörffler auf ihre Ausstellung eingestimmt. Tief beeindruckt von den Räumen, „die so schlicht und real gehalten sind“, so Schüler Philipp Bayer, haben die 26 Gymnasiasten im Unterricht und in ihrer Freizeit künstlerische Antworten auf Fragen wie „Was haben diese Körper ertragen?“, „Wie viele Tränen sind geflossen?“, „Wie viele Münder schrien vor Schmerzen auf oder verschlossen sich für immer?“ gesucht. Vorgaben bei der Wahl des Materials und der Technik gab es nicht. Entsprechend vielfältig sind die Arbeiten, die die Oberstufenschüler ab Sonntag präsentieren und die in einem vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) finanzierten Katalog gebündelt werden.

An die körperlichen Qualen, die die Frauen und Männer in dem Konzentrationslager erlitten haben, erinnern Romina Middendorf und Philipp Bayer mit dem Gips-Torso „Der geschundene Körper“. Vom Naturalismus hat sich Didem Erdem leiten lassen. Ausgehend von der Idee, dass „die Wünsche und Träume der Leute in der Arbeitsanstalt vergammelt sind“, hat die Schülerin aus einer Honigmelone und einem Gemisch aus Ketchup, Senf, Haarspray, Salz und Pfeffer ein Gehirn geformt. Das Gebilde, das „zum Ausdruck bringt, was man nicht sieht“, hat sie eineinhalb Monate vergammeln lassen, bis es die Farbe eines Gehirns angenommen hatte. Die Enge im Gefängnis, „wo man die Sonne nicht sieht“, wo jegliches Zeitempfinden verloren geht, hat Diane Chappalley in ihren Zeichnungen festgehalten. Eine zeigt einen abgestorbenen Baum, aus dem ein Mensch herauswächst.

Die Ausstellung „Körperfragmente“ in der Gedenkstätte Brauweiler des Landschaftsverbandes Rheinland, Von-Werth-Straße, ist ab Sonntag, 15. März, bis Samstag, 11. April, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstags, 16 bis 18 Uhr, samstags, 15 bis 17 Uhr. Kontakt: LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum Abtei Brauweiler, 02234 / 9854302.

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