|Als wäre schon wieder Karneval

von Jan Rossbach, 07.06.09, 18:17h

Beim dritten Konzert des Festivals Raumklänge hatte das Publikum seinen Teil beizutragen. Bei der „Paper Music“ des amerikanischen Percussionisten Lee Ferguson wurden die Zuhörer zum Orchester erklärt.

PULHEIM-STOMMELN Neuartige Klänge, Improvisation im Wechselspiel mit Komposition - darum geht es bei den „Raumklängen“, dem 1999 von Harald Kimmig ins Leben gerufene Festival für Neue und improvisierte Musik. Manch eine Überraschung wartete schon in der Alten Kirche St. Martin in Stommeln auf den Zuhörer, dessen Hörgewohnheiten bei diesen einzigartigen Konzerten und Präsentationen stets auf die Probe gestellt werden. Und der dritte und letzte Teil der diesjährigen „Raumklänge“ war wohl ein ganz besonderer: „Paper Music“ - so lautete der Titel des von dem amerikanischen Percussionisten Lee Ferguson gestalteten Konzertes, der sich zur Unterstützung seines ehrgeizigen Projektes nicht nur den Bonner Flötisten Daniel Agi zur Seite stellte, sondern zusätzlich eine Gruppe Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Pulheim.
Doch was heißt „Paper music“? Alles, was an diesem Abend an Geräuschen, Klängen, Tönen zu vernehmen war, entstammte keinem einzigen Instrument, sondern ausschließlich Papier - in jeder denkbaren Form. Das erste „Stück“ beruhte einzig und allein auf der Idee, ein Blatt Papier so klein zu reißen wie möglich. Der erste Riss war lang und laut, dann wurde es immer leiser und kürzer - ein musikalischer Effekt ohne Musik. Die übrigen Kinder, die sich im Kreis in der Kirche verteilt hatten, schlugen ihr Blatt Papier urplötzlich zu einem Knäuel zusammen - nacheinander, so dass der Klang um den Raum herumzulaufen schien.

Dann spielte eine kleine Gruppe improvisierte Rhythmen auf Kartons, bevor Lee Ferguson und Daniel Agi eine Art auskomponiertes Percussion-Duo (natürlich auf Pappkartons) präsentierten. Die Bandbreite und der Fantasiereichtum der „Papiervortuosen“ war faszinierend. Schließlich durfte auch das Publikum mitmachen. Ein Schüler übernahm den Part des Dirigenten, das Publikum schlüpfte in die Rolle des „Papierorchesters“ und bewegte die zuvor ausgelegten bunten Papiere nach den Anweisungen des Schülers - spannend zu sehen und zu hören. Doch ein Geheimnis wartete noch immer auf seine Enthüllung: Was war denn in dem großen und schier unendlich oft verpackten Riesenkarton versteckt, den ein Schüler während der einzelnen Programmpunkte zu öffnen versuchte? Lee Ferguson nahm die Sache jetzt in die Hand, zerriss den Karton mit aller Kraft, ein Schüler sprang heraus und versorgte das Publikum - als wäre schon wieder Karneval - mit Gummibärchen und Kamelle.

Ein ungewöhnlicher Abschluss für ein ungewöhnliches Konzert.

http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1242833497297

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